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Ortslage des Hauses

In der Seehäuser Straße 2 befindet sich das größte Geschäftshaus der Stadt Werben, welches als „Commandeur-Haus“ 1769; vermutlich durch den Oberbaudirektor Kriegsrat Martin Friedrich Boehme, errichtet wurde. Bekannt ist das Gebäude heute nur noch durch die spätere Nutzung ab 1913 als Bierniederlage & Eiskellerei und als Gasthof „Zur Stadt Magdeburg“ durch die Brauerei Schraube aus Pritzwalk.

Beschreibung des Hauses mit seinem geschichtlichen Hintergrund

Das „alte Commun-oder Commandanten Hauß“ am Markt in dem der oberste Offizier, Rittmeister Hans von Borstel, der in Werben in Garnison liegenden Schwadron des 7. Kürassierregiments wohnte, befand sich um 1765 in einem baufälligen Zustand, so dass ein Neubau unumgänglich erschien.

Da die Stadt Werben nur sehr zögerlich diesen Anforderungen Rechnung trug, musste über eine Beschwerde des Regimentskommandeurs Oberst Leopold Sebastian von Manstein an die zuständige preußische Kammer dem Anliegen Nachdruck verliehen werden. Der König von Preußen Friedrich II. selbst nahm sich der Beschwerde seines Obersten an und ließ an den Kriegsrat Schmeltzeisen am 13. Juli 1767 verfügen, dass ein Neubau des Kommandantenhauses zu Werben nicht mehr verschoben werden kann. (Auszug aus den Nachforschungsergebnissen von Andreas Stahl, Referent beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt 16.04.2012).

Familie Bethke, die Betreiber des Gasthofes "Zur Stadt Magdeburg

Familie Bethke, die Betreiber des Gasthofes „Zur Stadt Magdeburg

Foto

Hofansicht des Commandeurshauses Seehäuser Straße 2 mit versetzten Treppenhausanbau (historisches Foto, Landesamt für Denkmalpflege)

 

Vermutlich wurde das Haus nach mehreren Umplanungen und Bauplatzänderungen zwischen 1768 und 1769 in der Seehäuser Straße errichtet.

Das Gebäude wurde mit einem Kellergeschoss, einem Hochparterre, einem Obergeschoss und zwei Dachbodenebenen massiv mit Backsteinen errichtet. Das Dach ist als Mansarddach ausgebildet. Das Gebäude hat sieben Fensterachsen, wobei sich in der siebenten Fensterachse auf der Westseite eine Tordurchfahrt befindet. Die Straßenseite des Gebäudes hat eine Länge von 16,73 m und eine Gebäudetiefe von 13,30 m. Noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jh. hatte das Gebäude einen nach Osten versetzten Anbau auf der Hofseite, in dem sich weitere Wohnräume und ein Treppenhaus befanden. Das Gebäude war bauzeitlich vollständig verputzt gewesen. Die beiden Dachböden wurden vermutlich als Lagerflächen für Getreide (Pferdefutter) genutzt. In der zweiten Dachbodenebene ist eine bauzeitliche Kraneinrichtung erhalten.

Ab 1913 ist belegt, dass das Gebäude von der Brauerei Schraube aus Pritzwalk für eine Bierniederlage und Eiskellerei genutzt wurde. Da zu dieser Zeit die künstliche Eisherstellung erfunden war, ist die Nutzung des ehemaligen Eiskellers als Kühlhaus für das in Pritzwalk gebraute Bier wahrscheinlich. In dieser Zeit ist der Gasthof „Zur Stadt Magdeburg“, für den ein Saal im Obergeschoss eingerichtet wurde, entstanden. Mit dem Einbau des Saales sind schwerwiegende bauliche Veränderungen vorgenommen worden, deren nachwirkendes Schadensbild sich bis heute bemerkbar macht. So wurden aussteifende Querwände im Obergeschoss herausgenommen und die tragende Mittelwand nach SO verschoben. Ein eingebautes Sprengwerk als Überzug in der ersten Dachbodenebene sollte die Tragfunktion der zurückgebauten und verschobenen Wände im Obergeschoss übernehmen.

Nach 1945 wurde das Gebäude neben der Getreidelagerung in den beiden Dachbodenebenen zu Wohnzwecken und später auch für einen Frisörladen im Hochparterre genutzt. Aus dieser Zeit stammt der Einbau eines straßenseitigen Ladenzuganges, der zur historischen Fassadenstruktur zurückgebaut wird.

Bis 1989 sind an dem Gebäude, bis auf den Straßenseitigen Umbau und Neuverputz der Straßenfassade, keine nennenswerten werterhaltenen Maßnahmen durchgeführt worden. Der Treppenhausanbau auf der Ostseite wurde in den 70ziger Jahren abgerissen. Dabei wurden die Abrissnarben am Baukörper nicht fachgerecht geschlossen. In den 90ziger Jahren ist der letzte Mieter aus dem stadteigenen Haus ausgezogen. Von da ab war das Haus dem Verfall preisgegeben.

Die Stadt Werben hat Mitte der 90er Jahre nach vergeblichen Bemühungen für das sanierungsbedürftige Haus einen Investor zu finden, den baulichen Unterhalt des Hauses eingestellt. Die Hoffläche des Grundstückes bis unmittelbar an den Gebäudegrundriss hat ein Interessent aus der Nachbarschaft erworben. Durch diese unglückliche Teilung des Grundstückes, bei der die Gebäudegrundfläche von der Hoffläche getrennt wurde, ist das Haus weiter entwertet worden. Die Klärgrube des Hauses und das Fundament des zum Grundriss des Hauses gehörenden ursprünglichen, versetzten Treppenhausanbaus (s. Abb. 5) befanden sich nunmehr auf dem verkauften Hofgrundstück. (Die ursprüngliche Hofsituation soll wieder hergestellt werden).

Mit dem Wissen dieser ungünstigen Verhältnisse hat eine Gruppe engagierter Denkmalschützer, die den Wert des Hauses für die Stadt Werben und insbesondere für die nahezu geschlossene Straßenrandbebauung der Seehäuser Str. erkannten, das Gebäude von der Stadt Werben 1999 käuflich erworben. Das Ziel dieses Kaufes, das Haus nach einer Notsicherung über die Zeit zu retten, ist den Käufern gelungen. Der Wert des Gebäudes wurde erkannt und mit der Eintragung als Einzeldenkmal in das Denkmalverzeichnis des Landes Sachsen-Anhalt durch die Denkmalschutzbehörde 2005 gewürdigt.

Bis zu dieser Zeit wurde das undichte Dach ausgebessert, ein einsturzgefährdeter Schornstein zurückgebaut und die Dachböden entrümpelt. Vom Büro Dok2 Planung am Denkmal mit Sitz in Dessau wurde ein Aufmaß angefertigt, Bauforschungsuntersuchungen begonnen und erste Planungsvorschläge vorbereitet.

Ab 2006 wurde zum Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Halle und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Bonn Kontakt aufgenommen, um eine Förderung für die denkmalgerechte Sanierung des Hauses für 2007 zu beantragen. Die erste Finanzierung der Grundinstandsetzung sollte sich aus Städtebauförderung, Mitteln der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und Eigenmitteln zusammensetzen. Leider wurde vonseiten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz für 2007 und auch 2008 eine Ablehnung für dieses Vorhaben beschieden.

2010 wurde ein erneuter Antrag auf Förderung aus den Mitteln der Städtebauförderung beim Stadtrat von Werben beantragt. In einem Stadtratsbeschluss wurde nunmehr Ende 2011 einer Förderung für die Sicherungsmaßnahmen der Seehäuserstraße 2 zugestimmt.

In einer Stellungnahme des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachs-Anhalt vom 16.04. 2012 wird festgestellt, das „das Gebäude in der Seehäuser Straße … städtebaulich und kulturgeschichtlich für die Hansestadt Werben bedeutsam“ ist und „die Affinität zur Garnisonsgeschichte des preußischen 7. Kürassierregiments in der Altmark impliziert ein besonderes Alleinstellungsmerkmal im Jubiläumsjahr Friedrich des Großen.“